Mama, Papa, Kind - nicht unbedingt

Wie können sich Eltern für die Wertschätzung von Vielfalt im Klassenzimmer einsetzen?

Beitrag wurde am 04.09.2020 von Yalda verfasst.

Eltern oder besser gesagt Erziehungsberechtigte sind nicht gleich Mama und Papa. Auf dem Elternsprechtag stehen LehrerInnen vielleicht auch folgende Personen gegenüber:

  • Zwei Papas 
  • zwei Mamas 
  • Adoptiveltern  
  • Stiefeltern  
  • oder andere Zieheltern  
Mama, Papa, Kind - nicht unbedingt

Was bedeutet Familie im Kern?

Das emotionale Zuhause und die Menschen, die es prägen: Das ist Familie. Wie unterschiedlich Familie sein kann, wird im Unterricht zu wenig aufgegriffen, auch weil viele Werbespots, Plakate, leider auch einige Schulbücher und unser Denken von dem längst überholten Mama-Papa-Kind-Bild geprägt sind. Die Realität im Jahr 2020 zeichnet ein viel bunteres Bild davon, wie Familie aussehen kann.

Anton und Esther: Zwei Kinder, zwei besondere Familien   

Stell dir in einer Klasse diese zwei Kinder vor. Sie zeigen auf, wie Familie aussehen kann.

Anton wächst mit zwei Müttern auf, sein leiblicher Vater ist ein Freund der Familie, der auch hin und wieder mit dem Jungen Ausflüge macht oder ihn über das Wochenende zu sich nimmt.

Esthers Papa ist nicht ihr leiblicher Vater. Ihre Mutter war von einem anderen Mann schwanger, als sie ihren Papa kennengelernt hat. Beide zogen das Mädchen gemeinsam groß. Nach der Trennung bleibt das Mädchen bei dem Adoptivvater, der das Sorgerecht für sie hat.

Fazit: Jede Familie ist besonders und einzigartig und gleichzeitig normal. Allein, weil Kinder unterschiedlich aufwachsen, wie die Beispiele illustrieren, müssen verschiedene Lebenswelten im Unterricht von der Lehrkraft aufgegriffen werden.

Wie sollte einfühlsamer Unterricht aussehen?

Sprache formt das Denken und ist deswegen das wichtigste Mittel, das LehrerInnen besitzen, um Akzeptanz und Toleranz zu vermitteln. Wenn LehrerInnen bei den verstaubten Lehrbüchern mit weißen Mama-Papa-Kind-Familien bleiben, fühlen sich Kinder wie Esther und Anton nicht zugehörig oder sogar ausgegrenzt.

Folgende Möglichkeiten haben Lehrkräfte, um ihre Wertschätzung auszudrücken:

  • Immer alle Möglichkeiten von Familie aufzählen
  • Texte auswählen, so dass sich verschiedene Kinder in den Familiengeschichten und Hauptfiguren wiederfinden.
  • Kleine Texte selbst erstellen

Hier gibt es Buchempfehlungen zum Thema „vielfältige Familie“ für Kinder und Jugendliche jeden Alters, zum Selberlesen oder für den Unterricht.

Fazit: Einfühlsamer Unterricht würdigt dein Kind und seine Geschichte. Wenn du das Gefühl hast, dass die Lehrkraft dein Kind nicht genügend berücksichtigt oder kein wertschätzendes Bild von Vielfalt vermittelt, kannst du mit der Lehrkraft über deine Eindrücke sprechen.

Was kannst du tun, wenn dein Kind in der Schule beleidigt oder ausgegrenzt wird?

In vielen Bundesländern gibt es auf dem Stundenplan eine Stunde namens “soziales Training” oder "soziales Lernen". In der Berliner Grundschule ist es Teil des Deutschunterrichts. Für den Frieden im Klassenzimmer sollten Lehrkräfte diese Zeit nutzen. Wenn Streitigkeiten und Beleidigungen an der Tagesordnung sind, haben LehrerInnen die Möglichkeit den Klassenrat einzuberufen. Kinder dürfen dann:

  • Alle in der Luft liegenden Konflikte und verletzten Gefühle ausdrücken
  • Alleine Lösungen finden und sich selbst reflektieren
  • Rollen übernehmen, wie “RegelwächterIn” oder “ModeratorIn”
  • Vereinbarungen im Protokoll festhalten

Hier findest du mehr Informationen und Materialien, wie ein Klassenrat durchgeführt werden kann.

Du kannst die Lehrkraft auf diese Methode hinweisen, denn zu ihren Aufgabenfeldern gehört es Inhalte zu vermitteln, aber auch zu erziehen. Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, ist es hilfreich:

  • Das Gespräch mit der Lehrkraft zu suchen
  • Sich an die ElternsprecherInnen zu wenden
  • Probleme und Konflikte auf dem Elternabend anzusprechen
  • Oder auch ein Gespräch mit der Schulleitung zu vereinbaren

Fazit: Überall wo Menschen in größerer Zahl vorkommen, gibt es auch Schwierigkeiten, Streit oder Diskriminierung. Das Klassenzimmer ist ein guter Ort, um Konflikte im sicheren Rahmen auszutragen. Allerdings nur, wenn die Lehrkraft hier Wertschätzung und Toleranz zur Norm erklärt.

Vielfalt schützen und gutheißen in der “kleinen Welt” des Klassenzimmers

Ein Klassenzimmer ist auch immer eine Art "kleine Welt”, in der Gesellschaftliches im winzigen Rahmen abgebildet ist. Kinder formen sich hier ein Bild davon, wer sie sein dürfen und womit sie akzeptiert werden.

Einfühlsame LehrerInnen haben hier die Aufgabe, Vielfalt zu schützen. Sie sollten vermitteln, dass Lebenswelten sich zwar unterscheiden, alle Familienformen aber ihre Daseinsberechtigung haben und wertvoll sind.  Wenn Lehrkräfte ihre Rolle hier nur unzureichend erfüllen, bist du als Elternteil gefragt, das Gespräch zu suchen. 

Falls du gerne Perspektiven kennenlernen möchtest, wie Familien mit herausfordernden Situationen umgehen oder mehr wissen willst darüber, wie Kinder gut lernen , findest du im Magazin ein paar Anregungen.

 


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