Ein sicherer Rahmen, um die Welt zu entdecken

KiTa zu – und jetzt? Antworten eines Erziehers zum Kinderrecht Fürsorge

Beitrag wurde am 03.07.2020 von Ina verfasst.

Gerade haben KiTas ihren Regelbetrieb wieder aufgenommen, schon steht die Sommerschließzeit vor der Tür. Für viele Eltern bedeutet das: Arbeit und Kinderbetreuung erneut unter einen Hut bekommen. Bartosz, Erzieher eine Berliner Inklusionskita im Bezirk Kreuzberg, teilt seine Sicht zur Rolle von Kindertageseinrichtungen und gibt überraschend leicht umsetzbare Tipps für eine entspannte Zeit zuhause.

Ein sicherer Rahmen, um die Welt zu entdecken

Bartosz, du bist Erzieher aus Überzeugung. Wie profitieren Kinder vom Besuch einer KiTa?

Sie profitieren in jeglicher Hinsicht. In der KiTa lernen Kinder spielerisch die Gesetze verschiedener Bildungsbereiche, wie Mathematik, Physik, Sprache, Gesundheit und so weiter. Außerdem haben sie hier die Möglichkeit, demokratische Teilhabe zu erfahren und somit ihr Selbstbild zu stärken. Einige Kinder haben hier sogar die einzige Möglichkeit am Tag, etwas Warmes zu essen. Das sind nur einige Beispiele, die fast endlos weitergeführt werden können. Jedes Kind profitiert auf seine Art und Weise von der KiTa. Sie ist ein Raum, in dem ein Rahmen geschaffen wird, der auf Kinder abgestimmt ist.

Durch Regelungen rund um Corona fand der KiTa-Regelbetrieb in den letzten Monaten nicht statt. Für welche Kinder fällt so eine Zwangspause besonders ins Gewicht?

Für alle, wenn man mich fragt. Die täglichen Besuche in der KiTa bedeuten Struktur. Das ist wichtig für Kinder, um sich im Alltag zurecht zu finden. Auch die täglichen Rituale, wie der Morgenkreis oder ein Tischspruch sind enorm wichtig. Im Nachhinein kann man beobachten, dass unter anderem diese Rituale allen Kindern gefehlt haben, sie sich jedoch schnell wieder einfinden.

„Die täglichen Besuche in der KiTa bedeuten Struktur. Das ist wichtig für Kinder, um sich im Alltag zurecht zu finden.“

Besonders schwierig ist es jedoch tatsächlich für die Kinder, die ohne KiTa nicht mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden können. Oder die Kinder, deren Eltern nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um mit ihren Kindern nach draußen zu gehen, die ihnen keine Geschichte vorlesen können. Das kann viele Ursachen haben und ist auch nicht immer auf eigenes Verschulden zurückzuführen. Physische oder psychische Krankheiten, Sucht oder schlichtweg Überforderung können Gründe dafür sein, dass ein Kind seine Rechte nicht in Anspruch nehmen kann. Wir probieren, das in der KiTa aufzufangen.

Kinder sollen sich in der KiTa sicher und geborgen fühlen. Gleichzeitig muss gesundheitliche Sicherheit für alle gewahrt werden. Welche Möglichkeiten außer Körperkontakt nutzt du, um Kindern Halt zu vermitteln?

Ich nutze Mimik, Gestik und natürlich auch meine Stimme. Deshalb ist es auch undenkbar gewesen, mit einem Mundschutz zu arbeiten. Kinder – gerade die, die noch nicht sprechen oder zweisprachig aufwachsen – orientieren sich an Gesichtsausdrücken, der Stimmlage und dem Auftreten eines Erwachsenen, um die Situation, in der sie sich befinden, einzuschätzen. Ein Lächeln im Gesicht eines Erziehers zeigt, dass alles in Ordnung ist. Die Kinder kennen uns Erzieher ja auch und wissen, dass auf uns Verlass ist. Das ist eine gute Grundlage für den Halt der Kinder.

Während der Sommerschließzeit oder bei einer möglichen zweiten Welle müssen bei vielen Familien Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit wieder parallel stattfinden. Hast du leicht umsetzbare Ideen für einen entspannten Tag mit Kind?

Struktur und Rituale sind für Kinder sehr wichtig. Morgens ein Lied singen, nach dem Mittagessen ruhen, tägliche Spaziergänge: All das sind Dinge, die Kinder genießen und in denen ein wichtiger Wechsel zwischen Spannung und Entspannung entsteht.

„Ich denke, dass man sich von dem Gedanken trennen darf, dass nur Angebote für Kinder infrage kommen, die speziell für Kinder konzipiert sind.“

Ich denke, dass man sich von dem Gedanken trennen darf, dass nur Angebote für Kinder infrage kommen, die speziell für Kinder konzipiert sind. Spaziergänge im Wald, am Wasser oder einfach nur an der Straße entlang, bieten bereits viele Möglichkeiten, um ein Kind zu „beschäftigen“. Mehr Ausgeglichenheit des Kindes wäre ein Resultat dieser Herangehensweise, was auf Dauer dann auch ein entspannteres Miteinander bedeuten kann. Auch wenn Spielplätze gesperrt und Zoos und KiTas geschlossen würden, kann man so einem Kind den Input geben, den es benötigt. Ein einfacher Besuch einer Baustelle genügt bereits, um es zu begeistern. Wenn man das dann auch noch sprachlich begleitet und erklärt, was sich gerade auf eben so einer Baustelle abspielt, dann fördert man noch die sprachlichen Kompetenzen des Kindes.

Kinder verarbeiten Dinge und greifen sie gern sprachlich auf. Ein Austausch über den Tag am Abend bietet eben diese Möglichkeit der Verarbeitung: Was hat dir an der Baustelle besonders gefallen? Das Kind kann so seine Interessen für sich entdecken. Die Interessen der Kinder aufzugreifen ist wichtig, damit sie nicht in eine permanente Unterforderung rutschen.


  • Beitrag teilen