Mama und systemrelevant - 2 Rollen, 2 große Aufgaben

„Erzähl doch mal!“ – Eltern berichten aus ihrem Alltag

Durch das Corona-Virus wurde unsere Welt auf den Kopf gestellt. Unser Alltag hat sich verändert und wir stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Für manche Menschen kehrt langsam der Alltag zurück oder Neues ist inzwischen zur Gewohnheit geworden. Doch gerade Eltern haben durch das Corona-Virus viel erlebt und müssen sich in ihrem Alltag weiterhin zahlreichen Schwierigkeiten stellen. Wir möchten mit Eltern über ihre Erfahrungen sprechen. Wir möchten zuhören und berichten. Denn nur, wenn Eltern eine Stimme haben, können wir alle von ihnen lernen und auf diesem Weg auch für die Kleinsten unter uns da sein.

Ein systemrelevanter Beruf und Muttersein - Wie geht das?

Die ElternHotline richtet den Blick auf alle Eltern. Egal, wie diese ihr Leben und ihren Alltag mit Kind oder Kindern gestalten. Denn wir alle können voneinander lernen und es ist sehr bereichernd, auch einmal über den eigenen Tellerrand zu blicken und andere Perspektiven kennen zu lernen. Nachdem zuletzt Lea erzählt hatte, gibt uns nun Svenja einen Einblick in ihr Leben als Mutter. Das besondere? Svenja arbeitet in einem der Berufe, die seit der Corona-Pandemie als „systemrelevant“ bezeichnet werden. Es sind Tätigkeiten, die für unsere gesamte Gesellschaft unverzichtbar sind, weil sie unser soziales System aufrechterhalten. Dazu gehören zum Beispiel Berufsgruppen, die sich mit der Fürsorge, Beratung und Betreuung von Menschen beschäftigen: ÄrztInnen, PflegerInnen und KindergärtnerInnen. Auch Svenja arbeitet in einem Kindergarten und ist hier in einer Leitungsposition. Während sich andere Familien durch Quarantäne und Lockdown komplett zurückziehen mussten, war bei Svenja zusätzliches Organisationstalent, Kreativität und Durchhaltevermögen gefragt. Denn wie geht man als Kindergartenleitung mit dieser Ausnahmesituation um?

„Zunächst einmal gab es große Veränderungen und Ängste, die das Gewohnte total auf den Kopf gestellt haben, Widerstände hervorgerufen haben und somit ein komplette Chaos verursachten.“ Svenja ist in diesen Zeiten also nicht nur sorgende Mutter, sondern auch Kindergartenleitung. Das macht es schwierig: „Der Wunsch des kompletten Rückzugs und dem trotzdem-raus-müssen-Beruf war schwer zu koordinieren. Es war klar: Einschließen geht nicht.“ Ihren Alltag musste Svenja komplett neu strukturieren und dabei nicht nur ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden, sondern die vielen Herausforderungen als Kindergartenleitung meistern. „Wir waren auf einmal zu dritt zu Hause (2 Erwachsene und 1 Kind) und keiner wusste, wie das geht: zum Teil Homeoffice, Kind betreuen, Außentermine, Strukturverlust und irgendwie nie Feierabend. Dies alles war gepaart mit der Angst vor dem unbekannten Virus und dessen Folgen.“

Reden hilft - Sprich mit Menschen über das, was dir Kummer macht

Svenja erzählt offen, wie es ihr in der letzten Zeit ergangen ist. Denn in der allgemeinen Diskussion um Kita- und Schulöffnungen wird oft vergessen, dass auch in diesen Berufen Eltern arbeiten, die mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen haben. „Die Zeit ist so hart für alle. Man hatte Zeit und doch keine Zeit. Die Anspannung erschöpft emotional und körperlich.“ Doch was hilft in solchen Situationen? Als Pädagogin und Mama eines Sohnes sind für sie vor allem folgende Punkte wichtig gewesen, um wieder in einen normalen Alltag zu finden: „Vorsicht, Schutz für sich und andere, sich gut belesen und Informationen filtern sind ein großer Bestandteil des Lebens mit Corona geworden. (...) Das alles ist echt viel und nur mit guter Disziplin zu schaffen.“ Doch reden hilft. Denn wir alle sind mal wütend, traurig und überfordert. Das fühlt sich natürlich nicht gut an, aber es kann erleichtern, wenn man diese Gefühle in Worte fasst. „Mit viel geübter Kommunikation geht es gut und alle haben zumeist einen Platz für ihre Bedürfnisse“, sagt Svenja über ihren Familien- und Arbeitsalltag. Miteinander sprechen hat noch einen Vorteil: Man gibt seinen Mitmenschen die Möglichkeit, für einen da zu sein und direkte Hilfe anzubieten.

Der Ausblick in die Zukunft: Zwischen Optimismus und Sorge

Reden hilft. Dennoch bleibt die Unsicherheit, wie sich das Corona-Virus entwickeln wird. Denn jetzt, wo die Kitas und Schulen wieder öffnen und langsam die Normalität zurückkehrt, kommen auch neue Risiken hinzu. Svenja steht diesen Beschlüssen und Entscheidungen kritisch gegenüber: „Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen. Ich sorge mich um meine Familie und hoffe, dass der Zwang der Gesellschaft nach Normalität (Schule, Arbeit, ...) nicht zu schnell geht und uns Wege einfallen, die uns davor schützen können, ohne Ansteckung durch die Pandemie zu kommen.“

Es bleibt abzuwarten, ob die Öffnung der Bildungs- und Betreuungseinrichtung eine gute Entscheidung war. Die Gesellschaft und Politik sollten dabei jedoch nicht vergessen, dass hinter diesen Einrichtungen Menschen stehen, die großartige Arbeit für alle von uns leisten. Abschließend sagt Svenja: „Ich bin zuversichtlich, dass alles gut wird und habe Kraft - mal mehr, mal weniger - alles dafür zu tun.“

Beitrag wurde am 01.07.2020 von Hanna Lauter verfasst