Kinder brauchen besonderen Schutz

- vor allem in Zeiten von geschlossenen Kitas und Schulen

Sommer, Sonne, blaue Flecken: Wie steht es um Kinderrechte, wenn keiner hinschauen kann? In Zeiten von geschlossenen Schulen und Kitas in den Sommerferien oder während der Corona-Pandemie steht die Kinder- und Jugendhilfe vor Herausforderungen. Denn häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch können schwerer erkannt werden und nehmen in Krisenzeiten auch noch zu.

ÄrtzInnen und PädagogInnen wissen, wie man Gewalt an Kindern erkennt

ÄrztInnen haben ein geübtes Auge, wenn es darum geht, Verletzungen durch häusliche Gewalt von Unfällen zu unterscheiden. Auch deshalb gibt es Vorsorgeuntersuchungen in den ersten Lebensjahren, damit Vernachlässigung und häusliche Gewalt erkannt werden können. Kommt ein Kind nicht zu den Untersuchungen, bekommen die Eltern erst einen Brief und später einen Besuch vom Jugendamt.

Auch KindergärtnerInnen und LehrerInnen sind wachsam, wenn sie Verletzungen oder abweichendes Verhalten bei Kindern bemerken. Wie aber kann Kindern geholfen werden, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind, beispielsweise in den Sommerferien? Und sind die Zahlen von häuslicher Gewalt in den letzten Wochen gestiegen?

Häusliche Gewalt nimmt in Krisenzeiten zu

Berichte aus Wuhan zeigen, dass häusliche Gewalt zugenommen hat und Frauen öfter versuchen, in Frauenhäusern unterzukommen. Gründe für häusliche Gewalt an Kindern und Frauen sind Konflikte in der Familie, die durch Zukunftsängste bei Jobverlust, Frust, Einsamkeit oder Suchtproblemen entstehen können. Auch beengte Wohnverhältnisse und eine fehlende Tagesstruktur wirken sich negativ auf die Stimmung zu Hause aus. Studien aus vergangenen Krisen zeigen auch, dass auf wirtschaftliche Rezessionen körperliche, sexualisierte und emotionale Gewalt gegen Kinder zunimmt. Und in dieser Krise kommt noch die Trauerbelastung durch mögliche Todesfälle im Umfeld der Familien hinzu.

Kinder nutzen den Chat, um über Probleme zu reden

Dass die Probleme von häuslicher Gewalt zugenommen haben, zeigen auch die steigenden Zahlen von Anrufen bei Hilfetelefonen. Bei Nummer gegen Kummer e.V. haben 21 Prozent mehr Eltern im Vergleich zu den Monaten vor der Corona-Pandemie Hilfe per Telefon gesucht. Auch Kinder suchen Hilfe, nutzen aber lieber den Chat als die Anruffunktion. Hier sind die Zahlen um 26 Prozent gestiegen.

Was mache ich, wenn ich Misshandlung bemerke oder selbst betroffen bin?

Nicht immer muss man selbst betroffen sein, um betroffen zu sein. Auch wenn ein schlechtes Bauchgefühl nicht verschwindet, weil der Junge aus der Nachbarswohnung nicht mehr vor die Tür geht, aber ständig weint, kann und muss man sogar handeln. Wer die Polizei bei Verdachtsfällen informiert, bleibt anonym und muss nicht mit Konsequenzen rechnen, auch wenn man sich getäuscht hat. Hier gilt die Devise: Lieber einmal falsch gelegen, als ein Kind übersehen!

Einem selbst kann es schwer fallen, für sich oder sein Kind Hilfe zu holen. Doch auch hier gilt: Niemand muss befürchten, bei Hilfetelefonen oder -chats Name und Adresse nennen zu müssen. Oft hilft nur ein Gespräch, um dringende Fragen und Probleme zu lösen. Welche Nummer für wen wichtig, ist, kannst du hier nachlesen. Auch das Beratungsteam der ElternHotline steht dir bald per E-Mail und telefonisch zur Seite.

Beitrag wurde am 29.06.2020 von Katharina Martin verfasst